Weniger ist mehr

Das erste Cherzli brennt: Lessismore wird eins. Heute vor einem Jahr habe ich meinen frisch geborenen Blog veröffentlicht. Hui, war das ein spezieller Moment für mich. Viel ist passiert in diesem Jahr. Über vieles habe ich geschrieben. Mit verschiedenen Dingen habe ich mich beschäftigt. Die liebevollen Rückmeldungen haben mich jede einzeln mitten ins Herz getroffen. Mich interessieren die Menschen. Es ist schön, meine Gedanken mit euch zu teilen. Sie auch nur ein Fünkli in diesen Köpfen auslösen, zum Nachdenken anregen, sie sich dadurch identifizieren oder verstanden fühlen. Das finde ich so schön, an diesem offenen Medium: Wir fühlen uns verbunden, auch wenn wir uns nicht mal persönlich kennen. Diese anonyme Online-Welt kann Nähe schaffen, uns verbinden über Distanz. Absurd und schön zugleich. 

Zeit zum Loslassen

Der golden kunterbunte Herbst ist da. Wie ich mich ab den durchzogenen Nebelschwaden erfreuen kann. Ab dem Geräusch des raschelnden Laubes, wenn ich an der Töss entlang spaziere. Ab den tief gehenden Farben. Dann beobachte mal, was im Herbst eigentlich passiert. Ich werde mir das erst wieder bewusst, diese Eigenheiten jeder Jahreszeit. Die Blätter verändern ihre Farben. Und der Baum lässt sie fallen. Im Wind wanken sie zu Boden. Zu einem dichten Teppich. Schwinden. Das ist Natur pur. So fühlte ich mich in den vergangenen Wochen: wie ein Baum, der seine Blätter fallen lässt. Nackt und zugleich frei. Viele Ziele habe ich verfolgt, viele Dinge angerissen, viele Ideen reifen lassen. Witzig. Mein Mantra 'Less is more' zu leben, ist wohl meine grösste Herausforderung. Wer mich kennt, weiss, dass ich sehr viel, sehr schnell erreichen möchte. Mein Körper hat mir klar gesagt: So nicht. Was ist wirklich wichtig? Gönn dir auch mal weniger zu machen. Lasse los, was nicht mehr passt. Abschied und loslassen kann schmerzhaft sein. Und dennoch so heilend und befreiend. Das ist grad meine Lektion. Wie der herbstliche Baum, loszulassen. Die Dinge, die mir nicht mehr dienen wie schwebende Blätter zu Boden gleiten lassen. 

So sind mir wie Herbstblätter von den Augen gefallen. Ein Prozess, sich immer wieder zu erinnern: Was ist wichtig. Was tut mir gut. Was kann warten. Was brauch ich nicht mehr. So habe ich auch die letztjährigen Blogposts gehen lassen. Eine neue Ära entspringt, mit einem neuen nackten Auftritt. Den Fokus aufs Wesentliche. Raum für Neues. Klares. Weniger ist mehr.