Das Geschenk

Es weihnächtelt sehr. Die weisse Stille. Alles wird langsamer. Da glitzert es. Dort leuchten Lichter. Schon als ich klein war, war der Dezember mein persönliches Highlight. Der Adventskalender war der aufregendste Countdown bis zu meinem Geburtstag und das darauf folgende Weihnachtsfest. Da gabs für mich immer besonders grosse und viele Geschenke. 

Das ganze änderte sich drastisch als ich älter wurde und der Dezember von Jahr zu Jahr immer hektischer wurde. Geschenkejagd in letzter Minute in überfüllten Kaufhäusern. Irgendwie ging das irgendwann nicht mehr ganz auf für mich: Ich möchte diese wundervolle Zeit so gerne geniessen. Entspannt durch die Gassen flanieren und die Weihnachtsbeleuchtung wie ein kleines Kind bestaunen. Durch den frischen Schnee waten und das Knirschen unter meinen Füssen spüren. Ein Christbäumli direkt vor meiner Haustür beim sympathischen Mann holen und schmücken. Bei Kerzenschein einfach nach draussen gucken und das weiss-gelb diffuse Licht, wenn frischer Schnee fällt, betrachten. Wer sagt, dass ein Geschenk überhaupt physisch, eingepackt mit Masche sein muss? Mit Freunden machen wir uns eher eine gemütliche Zeit. Innerhalb der Familie wichtelten wir in den letzten Jahren. Und dieses Jahr werden wir zum ersten Mal spenden. So schlichen sich die materialistischen Geschenkli auf den Zehenspitzen aus meinem Leben. Auch wenn noch immer mal wieder mein materialistisches Kind in mir aufschreit, warum mir die zahlreichen Päckli unter dem Baum genommen wurden. Ich bin irgendwie ruhiger. Zufriedener.

Ich wünsche euch allen Wärme, Geborgenheit, Zauber - genau wie ich es als kleines Mädchen an Weihnachten fühlte. Ich wünsche euch Zufriedenheit, inneren Reichtum, Mitgefühl - genau wie ich es heute als grosses Mädchen an Weihnachten fühle. Das grösste Geschenk seid ihr. Ihr Menschen, die Liebe schenkt. Eine herzliche Umarmung. Ein dankbares Lächeln. Euer Dasein. Euer Zusammensein.